beyerdynamic DT 770 PRO oder Audio-Technica M50x: Welcher Studiokopfhörer?

Beide Kopfhörer stehen seit Jahren in Regieräumen, Proberäumen und auf Schreibtischen, beide sind geschlossen gebaut, kabelgebunden und für die Arbeit am Ton gemacht statt für den Weg zur Arbeit. Sie unterscheiden sich in dem, was sie voraussetzen: das eine Modell einen ordentlichen Verstärker, das andere möglichst wenig.
Wer die Klasse noch grundsätzlich sortiert, findet die Übersicht bei den Kopfhörern fürs Mixing. Hier stehen der beyerdynamic DT 770 PRO mit 80 Ohm und der Audio-Technica M50x mit ihren Datenblättern nebeneinander.
- Der DT 770 PRO 80 Ohm, wenn er am Interface oder am Kopfhörerverstärker hängtgeschlossene, diffusfeldentzerrte Bauweise mit Bassreflexsystem, Federstahlbügel, austauschbare Softskin-Polster, alle Teile einzeln ersetzbar, in Deutschland gefertigt
- Der M50x, wenn er ohne Zusatzgerät laufen soll45-mm-Treiber mit Neodym-Magneten und CCAW-Schwingspulen, um neunzig Grad drehbare Hörmuscheln zum Abhören mit einem Ohr, faltbar für den Transport
- Beide sind geschlossen, kabelgebunden und auf lange Sitzungen ausgelegt
Die zwei Kandidaten
beyerdynamic DT 770 PRO
80 Ohm, alle Teile ersetzbar
Audio-Technica M50x
45-mm-Treiber, faltbar
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | beyerdynamic DT 770 PRO 80 Ohm | Audio-Technica M50x |
|---|---|---|
| Bauform | geschlossen, ohrumschließend | geschlossen, ohrumschließend |
| Impedanz | 80 Ohm, für Studioanwendung | keine Angabe |
| Treiber | keine Angabe | 45 mm mit Neodym-Magneten und CCAW-Schwingspulen |
| Abstimmung | diffusfeldentzerrt mit Bassreflexsystem | keine Angabe |
| Kabel | 3 m Wendelkabel, einseitig geführt | keine Angabe |
| Bügel | Federstahl, gepolstert und verstellbar | gepolstert |
| Ohrpolster | Softskin, austauschbar | gepolstert, auf Komfort ausgelegt |
| Ersatzteile | alle Teile leicht auswechselbar | keine Angabe |
| Muscheln drehbar | keine Angabe | um 90 Grad, für das Hören mit einem Ohr |
| Faltbar | keine Angabe | ja, für den Transport |
| Adapter im Lieferumfang | Klinkenadapter auf 6,35 mm | keine Angabe |
| Beutel im Lieferumfang | Zugbeutel | keine Angabe |
| Fertigung | in Deutschland | keine Angabe |
| Gewicht, gerundet | etwa 270 g | etwa 290 g |
| Garantie | 2 Jahre | 2 Jahre Herstellergarantie |
Werte nach den Herstellerangaben zu beiden Modellen. Die Datenblätter sind sehr unterschiedlich ausführlich: beyerdynamic beschreibt Aufbau, Kabel, Lieferumfang und Impedanz, Audio-Technica nennt dafür Treibergröße und Magnetsystem und schweigt zu Impedanz und Kabel. Wo eine Seite nichts sagt, steht „keine Angabe“, und das ist kein Mangel des Geräts, sondern der Beschreibung. Die Gewichte stammen aus den Versandangaben und sind darum nur gerundet als Handelsangabe zu lesen, nicht als Messwert. Klangbeschreibungen bleiben hier bewusst außen vor, weil sie sich aus Datenblättern nicht ableiten lassen. Die weiter unten gerechneten Werte zu Pegel, Kabelweg und Ersatzteilen sind Größenordnungen auf Grundlage dieser Angaben. Die hervorgehobene Zelle ist der bessere Wert, nicht automatisch der wichtigere. Eine fehlende Angabe zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Was 80 Ohm am Handy bedeuten
Die Rechnung mit dem Pegel
Ein Kopfhörerausgang liefert eine bestimmte Spannung. Wie laut es dabei wird, hängt vom Widerstand ab: Bei gleicher Spannung ergibt die doppelte Impedanz die halbe Leistung, und das entspricht rund drei Dezibel weniger Pegel.
Zwischen einem Modell mit 80 Ohm und einem mit 32 Ohm liegt so grob eine Verdopplung des Widerstands, also der Bereich von etwa vier Dezibel. Am Interface mit ordentlichem Verstärker ist das belanglos, weil dort Reserve vorhanden ist.
Am Kopfhörerausgang eines Laptops oder an einem Adapter am Telefon ist es das nicht. Dort steht der Regler dann am Anschlag, und leise Passagen verschwinden, statt einfach nur leiser zu sein.
Praktisch heißt das: Wer an einem Interface oder einem Kopfhörerverstärker arbeitet, kann die 80 Ohm getrost nehmen. Wer direkt am Rechner oder am Telefon hört, fährt mit dem niederohmigeren Modell besser.
Wie weit ein Wendelkabel wirklich reicht
Die Rechnung mit dem Aktionsradius
Ein Wendelkabel mit drei Metern Länge hängt entspannt etwa einen Meter herunter und lässt sich auf die volle Länge ziehen. Damit reicht es vom Sitzplatz bis zum Verstärkerregal, ohne dass sich zwischendurch Schlaufen auf dem Boden sammeln.
Der Preis dafür ist Zug am Kopf: Ein gespanntes Wendelkabel zieht dauerhaft an der Muschel, und wer aufsteht, ohne daran zu denken, reißt sich den Kopfhörer vom Kopf oder das Kabel aus der Buchse.
Für den Schreibtisch mit einem Meter Abstand zum Interface ist ein gerades Kabel angenehmer, für den Aufnahmeraum, in dem man sich zwei Meter bewegt, das gewendelte.
Praktisch heißt das: Die Kabelform entscheidet der Arbeitsplatz, nicht der Klang. Fest angeschlagene Kabel bedeuten außerdem, dass ein Kabelbruch den ganzen Kopfhörer betrifft.
Was austauschbare Teile über die Nutzungsdauer ausmachen
Die Rechnung mit den Ohrpolstern
Ohrpolster sind das Verschleißteil. Bei täglicher Nutzung von zwei Stunden sind das im Jahr rund 700 Stunden, und nach zwei bis drei Jahren ist der Bezug an der Auflagekante durch.
Lässt sich das Polster wechseln, kostet das einen Handgriff, und der Kopfhörer läuft weiter. Über zehn Jahre sind das drei bis vier Polsterwechsel statt eines Neukaufs.
Wenn zusätzlich Bügel, Kabel und Schwingsysteme einzeln zu haben sind, verschiebt sich die Rechnung noch weiter: Ein Kabelbruch nach fünf Jahren ist dann ein Ersatzteil und kein Totalschaden.
Praktisch heißt das: Wer den Kopfhörer täglich benutzt, sollte vor dem Kauf prüfen, ob es Polster einzeln gibt. Das entscheidet über die Nutzungsdauer stärker als jedes Datenblattmerkmal.
Wofür welcher Kopfhörer reicht
Wie sich der DT 770 PRO im Einzelnen schlägt, steht im Test des beyerdynamic DT 770 PRO. Wer den passenden Antrieb dazu sucht, findet die Übersicht bei den Kopfhörerverstärkern, und für die Ablage auf dem Schreibtisch lohnt der Blick auf die Kopfhörerständer.
Wo jeder von beiden gewinnt
Für den beyerdynamic spricht
- Alle Teile einzeln auswechselbar
- Austauschbare Softskin-Ohrpolster
- Federstahlbügel statt Kunststoff
- Klinkenadapter und Beutel liegen bei
- Fertigung in Deutschland
Für den Audio-Technica spricht
- 45-mm-Treiber mit Neodym-Magneten
- CCAW-Schwingspulen für geringe bewegte Masse
- Muscheln um neunzig Grad drehbar
- Faltbar und dadurch reisetauglich
- Läuft auch ohne Kopfhörerverstärker laut genug
Die beiden sind weniger Konkurrenten als Werkzeuge für zwei verschiedene Arbeitsplätze. Der beyerdynamic ist auf einen festen Platz hin gebaut, an dem ein Interface oder ein Verstärker steht: Er verlangt etwas mehr Spannung, dafür bekommt man ihn über Jahre am Leben, weil sich jedes Verschleißteil nachkaufen lässt. Der Audio-Technica ist der beweglichere von beiden, faltet sich zusammen, dreht die Muschel weg, wenn nebenher etwas im Raum gehört werden muss, und braucht keinen Zusatzverstärker, um vernünftig laut zu werden. Wer beides will, entscheidet danach, ob der Kopfhörer öfter im Rucksack liegt oder öfter am Haken neben dem Rechner hängt.
Wenn keiner von beiden passt
Häufige Fragen zu Studiokopfhörern
Geschlossen oder offen, was ist richtig?
Geschlossen immer dann, wenn ein Mikrofon im selben Raum steht oder andere Menschen mithören würden. Offen klingt weiter und ermüdet weniger, lässt aber Schall nach außen, und genau der landet sonst in der Aufnahme. Wer nur eine Bauform haben kann und aufnimmt, nimmt geschlossen.Welche Impedanz soll es sein?
Das richtet sich nach der Quelle, nicht nach dem Kopfhörer. An einem Interface, einem Mischpult oder einem Kopfhörerverstärker ist die höhere Impedanz unproblematisch und oft die bessere Wahl. Direkt am Telefon oder Laptop bringt die niedrigere Impedanz spürbar mehr Pegel.Warum wirken Studiokopfhörer beim ersten Hören langweilig?
Weil sie nicht schmeicheln sollen. Ein Kopfhörer für die Arbeit am Ton zeigt möglichst neutral, was auf der Aufnahme ist, während ein Kopfhörer für unterwegs Bass und Höhen anhebt. Wer von einem geschönten Modell wechselt, empfindet den neutraleren Klang zunächst als kraftlos und gewöhnt sich meist binnen einer Woche daran.Wie lange halten die Ohrpolster?
Bei täglicher Nutzung meist zwei bis drei Jahre, bei Kunstlederbezügen eher kürzer als bei Velours, weil die Oberfläche an der Auflagekante reißt. Ein Polsterwechsel bringt nicht nur den Tragekomfort zurück, sondern auch den Klang, denn ein zusammengedrücktes Polster ändert den Abstand zum Ohr und damit den Frequenzverlauf.Reicht ein Kopfhörer zum Mischen?
Für die grobe Arbeit ja, für die letzte Entscheidung besser nicht. Kopfhörer zeigen Details und Störgeräusche deutlicher als Lautsprecher, verzerren aber die Einschätzung von Raum und Bass. Üblich ist, auf Kopfhörern zu schneiden und aufzuräumen und die Mischung anschließend über Lautsprecher und in einem anderen Raum gegenzuhören.Die Entscheidung in einem Satz
beyerdynamic DT 770 PRO 80 Ohm geschlossener Studiokopfhörer
Am festen Arbeitsplatz mit Interface oder Kopfhörerverstärker ist der DT 770 PRO mit 80 Ohm die haltbarere Entscheidung, weil seine 80 Ohm dort keine Rolle spielen, der Federstahlbügel mehr aushält als Kunststoff und sich Polster, Kabel und Bügel einzeln nachkaufen lassen, was die Nutzungsdauer von Jahren auf Jahrzehnte verlängern kann. Der Audio-Technica M50x ist die richtige Wahl, wenn direkt am Laptop oder Telefon gehört wird, wenn der Kopfhörer mitreisen soll oder wenn eine Muschel zum Abhören weggedreht werden muss. Beide sind geschlossen und damit für Aufnahmen im selben Raum wie das Mikrofon geeignet.



