Pro-Ject Debut EVO 2 im Test: der Plattenspieler für den ernsthaften Einstieg
Der Pro-Ject Debut EVO 2 ist ein Riemenantriebs-Plattenspieler mit elektronischer Drehzahlumschaltung, einem einteiligen 8,6-Zoll-Carbon-Tonarm und einem 300 Millimeter großen Plattenteller aus Aluminiumdruckguss.
Die interessanteste Zahl steht nicht auf der Verpackung: Gleichlaufschwankung von plus/minus 0,16 Prozent bei 33 Umdrehungen. Wir haben uns angesehen, was die Werte im Alltag bedeuten und für wen der Aufwand lohnt.
Die Daten im Überblick
| Modell | Pro-Ject Debut EVO 2 |
|---|---|
| Geschwindigkeiten | 33 und 45, elektronisch umschaltbar |
| Antrieb | Riemenantrieb mit elektronischer Steuerung |
| Plattenteller | 300 mm Aluminiumdruckguss mit TPE-Dämpfung und Filzmatte |
| Gleichlaufschwankung | 33: +/-0,16 %, 45: +/-0,14 % |
| Signal-Rausch-Abstand | 68 dB |
| Tonarm | 8,6" einteiliger Carbon-Tonarm, 218,5 mm effektive Länge, 10,0 g effektive Masse |
| Maße (B x H x T) | 415 x 113 x 320 mm |
| Gewicht | 6 kg netto |
Werte nach den Angaben von Pro-Ject.
Gleichlaufschwankung: die Zahl, die man hört, ohne sie zu kennen
Ein Plattenspieler muss den Teller exakt gleichmäßig drehen. Tut er das nicht, wandert die Tonhöhe minimal auf und ab, und das Ohr nimmt es nicht als Schwankung wahr, sondern als eine gewisse Unruhe im Klangbild. Besonders deutlich wird es bei lang gehaltenen Klaviertönen, weil dort jede Abweichung offenliegt.
Plus/minus 0,16 Prozent bei 33 Umdrehungen sind für ein Laufwerk dieser Preisklasse ein guter Wert. Wie sich die Bauarten grundsätzlich unterscheiden, steht im Überblick der Plattenspieler.
Riemenantrieb statt Direktantrieb: zwei verschiedene Philosophien
Beim Riemenantrieb sitzt der Motor neben dem Teller, und der Gummiriemen entkoppelt beides voneinander. Motorvibrationen erreichen die Nadel dadurch kaum. Der Preis ist eine träge Anlaufzeit, und deshalb spielt der Riemenantrieb im DJ-Bereich keine Rolle. Zum Musikhören zu Hause ist genau diese Entkopplung der Vorteil.
Ein Tonarm aus einem Stück Carbon
Ein Tonarm hat zwei Aufgaben, die sich widersprechen: Er soll leicht sein, damit die Nadel der Rille folgen kann, und steif, damit er selbst nicht mitschwingt. Carbon löst das besser als Aluminium, und dass der Arm aus einem Stück gefertigt ist, spart die Klebe- oder Schraubstelle, an der sonst Resonanzen entstehen. Die effektive Masse von 10 Gramm passt zu den meisten gängigen MM-Systemen.
Wo er an Grenzen kommt
Dafür
- Einteiliger Carbon-Tonarm
- Elektronische Umschaltung, kein Riemenumlegen
- 300-mm-Teller aus Aluminiumdruckguss mit TPE-Dämpfung
- 68 dB Signal-Rausch-Abstand
- 0 Watt im Standby
Dagegen
- Kein Phono-Vorverstärker eingebaut
- Keine Endabschaltung, die Nadel läuft aus
- 6 kg brauchen einen stabilen, waagerechten Untergrund
- Einstellen von Auflagekraft und Antiskating gehört dazu
- Keine USB-Digitalisierung
Der fehlende Phono-Vorverstärker ist der Punkt, der Einsteiger am häufigsten überrascht. Ein Plattenspieler liefert ein sehr leises Signal mit einer eigenen Frequenzkurve, und ohne Entzerrung klingt er an einem normalen Line-Eingang dünn und leise. Entweder hat der Verstärker einen Phono-Eingang, oder es kommt ein separates Kästchen dazwischen.
Passt er zu deiner Anlage?
Ja, wenn
- eine gewachsene Plattensammlung im Regal steht
- der Verstärker einen Phono-Eingang hat
- ein stabiler Stellplatz vorhanden ist
- der Klang wichtiger ist als die Bedienzeit
Nein, wenn
- Platten digitalisiert werden sollen
- eine Endabschaltung gewünscht ist
- ein Alles-drin-Gerät gesucht wird
- der Plattenspieler zum Auflegen gedacht ist
Wer zehn Platten besitzt und sie zweimal im Jahr auflegt, ist mit einem Komplettgerät besser bedient. Der EVO 2 lohnt sich ab dem Punkt, an dem der Plattenspieler die Hauptquelle der Anlage ist.
Drei Alternativen, die sich lohnen zu vergleichen
Wenn es die Vorgängerin sein darf: Pro-Ject Debut Carbon EVO
Dieselbe Baureihe eine Generation zuvor, ebenfalls mit Carbon-Tonarm und elektronischer Umschaltung. Wer die Detailverbesserungen des EVO 2 nicht braucht, spart hier spürbar.
Wenn digitalisiert werden soll: Audio-Technica LP120XUSB
Direktantrieb, eingebauter Phono-Vorverstärker und ein USB-Ausgang zum Überspielen auf den Rechner. Die pragmatische Wahl, wenn alte Platten gesichert werden sollen.
Wenn es die andere Schule sein soll: Rega Planar 1
Rega baut bewusst reduziert und montiert alles ab Werk fertig eingestellt. Für alle, die auspacken, anschließen und hören wollen, ohne an Auflagekraft und Antiskating zu drehen.

