Shure SM7B im Test: der Rundfunkstandard für die eigene Stimme
Das Shure SM7B ist ein dynamisches Mikrofon mit Nierencharakteristik, gebaut für Rundfunk, Podcast und Gesangsaufnahmen. Es hat zwei Schalter für Bassabsenkung und Präsenzanhebung, einen integrierten Pop-Filter und eine interne Stoßisolierung.
Die wichtigste Eigenschaft steht in keinem Datenblatt: Es ist leise. Genau das macht es zum Standard in lauten Räumen und zugleich zum Mikrofon, das ohne den richtigen Vorverstärker enttäuscht.
Die Daten im Überblick
| Modell | Shure SM7B |
|---|---|
| Wandlerprinzip | dynamisch |
| Richtcharakteristik | Niere (Cardioid) |
| Klangregelung | Bass-Rolloff und Presence-Boost, mit grafischer Anzeige |
| Entkopplung | interne Luftfederung gegen Körperschall |
| Pop-Schutz | integrierter Pop-Filter, dazu A7WS-Windschutz im Lieferumfang |
| Montage | Yoke-Halterung mit gefangener Stativmutter |
| Ersatzkapsel | RPM106 |
Werte nach den Angaben von Shure.
Warum dynamisch im Wohnzimmer die richtige Wahl ist
Ein Kondensatormikrofon ist empfindlich, und das ist im Studio ein Vorteil und zu Hause ein Problem. Es hört den Kühlschrank, den Nachbarn, den Rechnerlüfter und vor allem den eigenen Raum, denn Schall wird von kahlen Wänden zurückgeworfen und landet mit Verzögerung wieder im Mikrofon. Ein dynamisches Mikrofon ist deutlich unempfindlicher und braucht einen nahen Sprecher, um überhaupt etwas aufzunehmen. Genau dieser Nachteil ist zu Hause der Vorteil.
Deshalb steht das SM7B in fast jedem Podcast-Setup. Welche Modelle sonst infrage kommen, steht im Überblick der Mikrofone für Podcasts.
Die beiden Schalter auf der Rückseite
Der Bass-Rolloff senkt die tiefen Frequenzen ab und nimmt der Stimme das Dumpfe, das bei sehr nahem Besprechen entsteht. Der Presence-Boost hebt den oberen Mittenbereich an, in dem die Verständlichkeit sitzt. Beide zusammen decken die typischen Korrekturen ab, für die man sonst nachträglich einen Equalizer bräuchte. Die grafische Anzeige daneben zeigt, was der jeweilige Schalter mit dem Frequenzverlauf macht.
Die Stoßisolierung spart eine Spinne
Bei den meisten Mikrofonen braucht es eine elastische Aufhängung, weil sonst jeder Stoß gegen den Tisch als dumpfer Schlag in der Aufnahme landet. Das SM7B hat die Entkopplung bereits im Gehäuse, und die Yoke-Halterung mit gefangener Stativmutter lässt sich direkt auf einen Mikrofonarm schrauben. Ein Zubehörteil weniger, das man vergessen kann.
Wo es an Grenzen kommt
Dafür
- Blendet Raum und Nebengeräusche weitgehend aus
- Zwei Klangschalter direkt am Gehäuse
- Pop-Filter integriert, A7WS liegt bei
- Stoßisolierung eingebaut
- Kapsel als Ersatzteil erhältlich
Dagegen
- Sehr leise, braucht einen kräftigen Vorverstärker
- Nur XLR, kein USB
- Verlangt geringen Abstand zum Mund
- Schwer, ein stabiler Mikrofonarm ist Pflicht
- Für Instrumente aus der Distanz ungeeignet
Der Vorverstärker ist der Punkt, an dem die meisten Enttäuschungen entstehen. Ein einfaches Einsteiger-Interface bringt oft nicht genug Verstärkung auf, und wer den Regler dann bis zum Anschlag dreht, holt sich Rauschen mit ins Signal. Entweder das Interface hat kräftige Vorverstärker, oder es kommt ein zusätzlicher Inline-Verstärker dazwischen.
Passt es zu deiner Aufnahme?
Ja, wenn
- im normalen Zimmer ohne Akustikbehandlung aufgenommen wird
- ein Interface mit kräftigen Vorverstärkern vorhanden ist
- Sprache oder Gesang im Vordergrund stehen
- ein Mikrofonarm auf dem Tisch steht
Nein, wenn
- ein reines USB-Mikrofon gesucht wird
- mehrere Personen ein Mikrofon teilen sollen
- Instrumente aus größerem Abstand aufgenommen werden
- kein zusätzliches Zubehör angeschafft werden soll
Wer einfach nur einsteckt und loslegen will, ist mit einem USB-Mikrofon besser bedient. Das SM7B ist ein Baustein in einer Kette, und diese Kette muss stimmen, sonst bleibt das Ergebnis hinter einem halb so teuren Gerät zurück.
Drei Alternativen, die sich lohnen zu vergleichen
Wenn es ohne Interface gehen soll: Shure MV7+
Dasselbe dynamische Prinzip mit USB-C und XLR gleichzeitig. Man kann am Rechner anfangen und später auf ein Interface wechseln, ohne das Mikrofon zu tauschen.
Wenn es günstiger sein soll: RØDE PodMic
Dynamisches Rundfunkmikrofon mit eingebauter Schwenkhalterung und deutlich niedrigerem Preis. Es braucht ebenfalls einen kräftigen Vorverstärker, ist aber genügsamer als das SM7B.
Wenn der Raum stimmt: RØDE NT1 5. Generation
Ein Kondensatormikrofon mit XLR und USB, das mehr Detail liefert, dafür aber auch den Raum mit aufnimmt. Die Wahl, wenn die Umgebung ruhig und akustisch bedämpft ist.

