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Shure SM7B im Test: der Rundfunkstandard für die eigene Stimme

Das Shure SM7B ist ein dynamisches Mikrofon mit Nierencharakteristik, gebaut für Rundfunk, Podcast und Gesangsaufnahmen. Es hat zwei Schalter für Bassabsenkung und Präsenzanhebung, einen integrierten Pop-Filter und eine interne Stoßisolierung.

Die wichtigste Eigenschaft steht in keinem Datenblatt: Es ist leise. Genau das macht es zum Standard in lauten Räumen und zugleich zum Mikrofon, das ohne den richtigen Vorverstärker enttäuscht.

The verdict
9/10Der Rundfunkstandard für die eigene StimmeDynamisch, Niere

Shure SM7B

Ein dynamisches Mikrofon für alle, die im normalen Zimmer aufnehmen und keinen akustisch behandelten Raum haben. Es hört fast nur, was direkt davor passiert, und blendet Tastatur, Lüfter und Raumhall weitgehend aus. Zwei Klangschalter mit grafischer Anzeige, ein integrierter Pop-Filter und der A7WS-Windschutz im Lieferumfang. Vorausgesetzt wird ein Vorverstärker mit ordentlich Reserve.

Die Daten im Überblick

ModellShure SM7B
Wandlerprinzipdynamisch
RichtcharakteristikNiere (Cardioid)
KlangregelungBass-Rolloff und Presence-Boost, mit grafischer Anzeige
Entkopplunginterne Luftfederung gegen Körperschall
Pop-Schutzintegrierter Pop-Filter, dazu A7WS-Windschutz im Lieferumfang
MontageYoke-Halterung mit gefangener Stativmutter
ErsatzkapselRPM106

Werte nach den Angaben von Shure.

Warum dynamisch im Wohnzimmer die richtige Wahl ist

Ein Kondensatormikrofon ist empfindlich, und das ist im Studio ein Vorteil und zu Hause ein Problem. Es hört den Kühlschrank, den Nachbarn, den Rechnerlüfter und vor allem den eigenen Raum, denn Schall wird von kahlen Wänden zurückgeworfen und landet mit Verzögerung wieder im Mikrofon. Ein dynamisches Mikrofon ist deutlich unempfindlicher und braucht einen nahen Sprecher, um überhaupt etwas aufzunehmen. Genau dieser Nachteil ist zu Hause der Vorteil.

Deshalb steht das SM7B in fast jedem Podcast-Setup. Welche Modelle sonst infrage kommen, steht im Überblick der Mikrofone für Podcasts.

Die beiden Schalter auf der Rückseite

Der Bass-Rolloff senkt die tiefen Frequenzen ab und nimmt der Stimme das Dumpfe, das bei sehr nahem Besprechen entsteht. Der Presence-Boost hebt den oberen Mittenbereich an, in dem die Verständlichkeit sitzt. Beide zusammen decken die typischen Korrekturen ab, für die man sonst nachträglich einen Equalizer bräuchte. Die grafische Anzeige daneben zeigt, was der jeweilige Schalter mit dem Frequenzverlauf macht.

Die Stoßisolierung spart eine Spinne

Bei den meisten Mikrofonen braucht es eine elastische Aufhängung, weil sonst jeder Stoß gegen den Tisch als dumpfer Schlag in der Aufnahme landet. Das SM7B hat die Entkopplung bereits im Gehäuse, und die Yoke-Halterung mit gefangener Stativmutter lässt sich direkt auf einen Mikrofonarm schrauben. Ein Zubehörteil weniger, das man vergessen kann.

Wo es an Grenzen kommt

Dafür

  • Blendet Raum und Nebengeräusche weitgehend aus
  • Zwei Klangschalter direkt am Gehäuse
  • Pop-Filter integriert, A7WS liegt bei
  • Stoßisolierung eingebaut
  • Kapsel als Ersatzteil erhältlich

Dagegen

  • Sehr leise, braucht einen kräftigen Vorverstärker
  • Nur XLR, kein USB
  • Verlangt geringen Abstand zum Mund
  • Schwer, ein stabiler Mikrofonarm ist Pflicht
  • Für Instrumente aus der Distanz ungeeignet

Der Vorverstärker ist der Punkt, an dem die meisten Enttäuschungen entstehen. Ein einfaches Einsteiger-Interface bringt oft nicht genug Verstärkung auf, und wer den Regler dann bis zum Anschlag dreht, holt sich Rauschen mit ins Signal. Entweder das Interface hat kräftige Vorverstärker, oder es kommt ein zusätzlicher Inline-Verstärker dazwischen.

Unsere Empfehlung für Podcast und Gesang
Shure SM7BDynamisches XLR-Mikrofon für Broadcast, Podcast und Recording.

Passt es zu deiner Aufnahme?

Ja, wenn

  • im normalen Zimmer ohne Akustikbehandlung aufgenommen wird
  • ein Interface mit kräftigen Vorverstärkern vorhanden ist
  • Sprache oder Gesang im Vordergrund stehen
  • ein Mikrofonarm auf dem Tisch steht

Nein, wenn

  • ein reines USB-Mikrofon gesucht wird
  • mehrere Personen ein Mikrofon teilen sollen
  • Instrumente aus größerem Abstand aufgenommen werden
  • kein zusätzliches Zubehör angeschafft werden soll

Wer einfach nur einsteckt und loslegen will, ist mit einem USB-Mikrofon besser bedient. Das SM7B ist ein Baustein in einer Kette, und diese Kette muss stimmen, sonst bleibt das Ergebnis hinter einem halb so teuren Gerät zurück.

Drei Alternativen, die sich lohnen zu vergleichen

Wenn es ohne Interface gehen soll: Shure MV7+

Dasselbe dynamische Prinzip mit USB-C und XLR gleichzeitig. Man kann am Rechner anfangen und später auf ein Interface wechseln, ohne das Mikrofon zu tauschen.

Mit USB und XLR
Shure MV7+Dynamisches Podcast-Mikrofon mit USB-C und XLR, schwarz.

Wenn es günstiger sein soll: RØDE PodMic

Dynamisches Rundfunkmikrofon mit eingebauter Schwenkhalterung und deutlich niedrigerem Preis. Es braucht ebenfalls einen kräftigen Vorverstärker, ist aber genügsamer als das SM7B.

Der günstige Einstieg
RØDE PodMicDynamisches Mikrofon in Rundfunkqualität mit integrierter Schwenkhalterung.

Wenn der Raum stimmt: RØDE NT1 5. Generation

Ein Kondensatormikrofon mit XLR und USB, das mehr Detail liefert, dafür aber auch den Raum mit aufnimmt. Die Wahl, wenn die Umgebung ruhig und akustisch bedämpft ist.

Das Kondensatormikrofon
RØDE NT1 5. GenerationXLR- und USB-Studiomikrofon im Set mit Mikrofonständer.

Häufige Fragen zum Shure SM7B

Brauche ich wirklich einen zusätzlichen Vorverstärker?

Das hängt am Interface. Als grobe Orientierung gilt: Wenn der Gain-Regler beim normalen Sprechen über drei Viertel steht, fehlt Reserve und es rauscht. Dann hilft entweder ein Interface mit kräftigeren Vorstufen oder ein kleiner Inline-Verstärker zwischen Mikrofon und Interface.

Wie nah muss ich davor sitzen?

Etwa eine Handbreit, bei lauten Stimmen auch etwas mehr. Das SM7B ist auf nahes Besprechen ausgelegt, und wer einen halben Meter entfernt sitzt, verliert Pegel und holt sich stattdessen den Raum mit ins Signal. Der Abstand ist die wirksamste Klangregelung, die es gibt.

Was bringen die beiden Schalter?

Der Bass-Rolloff nimmt Tiefe heraus, wenn die Stimme durch das nahe Besprechen zu wuchtig wird. Der Presence-Boost hebt den Bereich an, in dem Konsonanten sitzen, und macht die Sprache klarer. Für Podcasts ist die Kombination aus beidem oft der schnellste Weg zu einem sauberen Ergebnis.

Wozu liegt ein zweiter Windschutz bei?

Der A7WS ist größer als der Standardaufsatz und für sehr nahes Besprechen gedacht. Er dämpft Explosivlaute stärker und macht den Klang zugleich etwas wärmer. Wer dicht am Mikrofon spricht, wird ihn dauerhaft aufgesetzt lassen.

Lässt sich das Mikrofon reparieren?

Die Kapsel ist als Ersatzteil mit der Bezeichnung RPM106 erhältlich, und Shure hebt die robuste Bauweise mit gutem Kapselschutz ausdrücklich hervor. Das ist der Grund, warum SM7B in Rundfunkstudios über viele Jahre im täglichen Einsatz stehen.

Das Mikrofon, das den Raum aus der Aufnahme hält

Conclusion
9/10Der Rundfunkstandard für die eigene Stimme

Shure SM7B

Das SM7B ist deshalb Standard geworden, weil es das größte Problem der Heimaufnahme löst: den Raum. Dynamisch, Niere, nahes Besprechen, und schon fallen Tastatur, Lüfter und Wandreflexionen fast vollständig weg. Der Preis dafür ist der niedrige Pegel, und wer den Vorverstärker nicht mitplant, wird das Mikrofon unterschätzen. Wer die Kette richtig baut, hat ein Werkzeug, das in zehn Jahren noch dasteht.
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